Startseite
Service, Neuigkeiten
Termine
Kontakt
Wir über uns
Wir über uns  2
Logopädie für Aphasiker
Gästebuch
Anfahrt
Impressum
     
 



An dieser Stelle, berichten einige Mitglieder im  Rhythmus , wie es war als er sie traf.................der Schlaganfall !

Hier nun erst einmal, die Erinnerungen des Schreiberlings:

2. März, 1997 ; Ich habe versprochen auf zwei Kinder aufzupassen, fahre mit dem Auto dort hin, setzte mich ins Wohnzimmer und beginne, mit den Kindern zu spielen. Es ist 10 Uhr am Vormittag. Ich hatte schon am Vortag einen ungewöhnlichen Druck im Kopf verspürt aber mir natürlich keine  Gedanken über irgend etwas gemacht und..........was von alleine kommt, geht auch wieder von allein und...........ein Indianer kennt keinen Schmerz !

ca. 10.30 , der Druck in meinem Kopf fühlt sich jetzt an, als hätte mir jemand eine viele Kilo schwere Eisenplatte auf den selben gelegt ; Zudem war mir nun so, als würde ich ohnmächtig werden. Dann hatte ich das Gefühl nach draußen zu müssen ,um frische Luft zu atmen. Dies tat ich ; Aber noch während ich aus dem Sessel im Zimmer aufstand, setzten leichte Lähmungserscheinungen in meinem rechten Bein ein. Draußen  im Garten, versuchte ich normal zu gehen und machte mir Gedanken, dass es doch eine Unverfrorenheit von meinem Bein wäre, meine Gehbefehle völlig zu ignorieren und statt dessen irgendwie seine eigenen Wege zu bestreiten.

Etwa zwanzig Minuten später hatte ich die ganze Sache wieder im Griff.........meinte ich. Mit dem Gedanken " Jetzt hab ich meinem Körper mal gezeigt, wer der Herr in ihm ist", watschelte ich wieder zu den Kindern  Und außerdem,....es hat mir nix weh getan ! 

Hier, lieber Leser, geht mir nun die Seite aus. Es wird also eine Fortsetzungs-Geschichte, die am 12.  September weitergeht. Bitte schreiben Sie uns doch, ob diese Art der Erzählung für Sie lesenswert ist.

Viele Wege führen nach Rom; besonders als der Schreiberling feststellte, dass so eine Homepageseite viel länger ist, als gedacht! Nix is also mit Seite voll ! Es wird jetzt weitergeschrieben, bis dieser Seite oder mir, die Luft ausgeht.

Es hat mir nichts weh getan. So dachte ich............wie ich heute weiß........leichtsinnigerweise aber auch irgendwie nachdenklich und machte mich daran die Kinder anzuziehen, um ihnen und natürlich mir und meiner körperlichen Schaltzentrale mal zu zeigen ,wer denn wohl der Chef ist.........oder so ähnlich. Es folgte ein Spaziergang, der soweit auch ganz gut verlief. 


Wieder heimgekehrt ließ ich mich, mein rechtes Bein prüfend, in den gemütlichen Sessel fallen, während die Kinder spielenderweise den für sie und eigentlich auch für mich ,nicht schmerzenden Geräuschpegel, erheblich steigerten. Nach und nach war mir, als würden Lausbuben vom Schlage Max und Moritz, in meinem Inneren daran arbeiten, gegen meinen Schädel zu hämmern und zu allem Überfluss sich auch noch damit beschäftigten, jetzt meinem rechten Arm, seine Mitbestimmung zu entziehen. Und.........ich wage es kaum zuzugeben.......kein Gedanke an  einen Schlaganfall und überhaupt an eine, sich im Anzug befindliche Krankheit. Ich führte das alles auf momentanen Ärger und Arbeitsstress zurück.                      

 

Als mein Job dann beendet war, kam ich nur noch schwer aus dem Sessel, wollte mir selbst und den heimgekehrten Eltern jedoch immer noch nicht eingestehen, dass irgend etwas mit mir geschehen war. Im Gegenteil, ich bestieg so leidlich, mein Auto und fuhr mit aller Vorsicht davon. Zwar brauchte ich nur fünfhundert Meter weit aber trotzdem unverantwortlich........natürlich aus der heutigen Sicht. Ich dachte mir eigentlich nur---- schlaf mal drüber, morgen ist alles wieder Ok.

Am anderen Morgen kam ich dann ein wenig zur Besinnung. Ich hatte zwar recht ordentlich geschlafen, beschloss aber, auch bei Nichtbesserung, einen Arzt zu konsultieren. Ich musste feststellen,dass Max und Moritz immer noch ihrer hämmernden Tätigkeit nachgingen und außerdem auch sonst noch einiges angerichtet hatten. Arm und Bein rechts ,versagten mir ihren Gehorsam. So musste ich feststellen, wie dumm und überheblich der Mensch doch ist, wenn er meint,   denken und nach Gedanken handeln----gehen, greifen, reden und, und, und , seien Eigenschaften, die er nur mit seinen gedanklichen Befehlen steuern kann,---ach wie dumm !

Machen wir's kurz.....Arzt kam.....Diagnose: Schlaganfall.....Spritze....an den Tropf.....Krankenwagen......Krankenhaus Geldern !!!

Erst jetzt begreife ich, was da schlimmes passiert ist und meine Gedanken kreiselten in mir als wäre die Erdumdrehung ein "Schiss" dagegen. Ärzte und pflegende Personen versuchen mir Ruhe und Gelassenheit zu predigen und anfangs führt das dazu , dass ich die ganze Sache immer noch zu leicht nehme und der Meinung bin, schon morgen oder übermorgen hat sich das alles schon wieder eingerenkt.

Es hat sich nichts eingerenkt, auch nicht nach einer Woche. Da begreife ich langsam, dass ein neues Leben beginnen muss. Nun will ich sagen, dass ich schon damals versucht habe nach vorn zu blicken. Es gab schon Ergo-Therapie und Krankengymnastik und ganz besonders Schwester Leni und Dr. Hellmann bemühten sich mir Mut zuzusprechen und waren nimmer müde mir einzutrichtern, nach einer Reha würde Besserung eintreten.

Außer, dass es bis zum Beginn meiner Reha, ziemlich lange dauerte, ist der Rest meiner Erzählung, eigentlich schnell geschildert weil es zwar auch nicht gerade berauschend war, aber eigentlich nicht mehr so schockierend für mich. Ich bekam in der Reha Bad Godesberg einen zweiten Schlaganfall, der mich fast zwei Jahre schlecht sprechen ließ, doch heute ist dies nun auch Vergangenheit und ich fühle mich eigentlich recht wohl, trotz ein paar Restwehwehchen.

Seit dem Schlaganfall, lebe ich alleine. Das war von mir so gewollt und weil ich  der Meinung war und immer noch bin, dass ich für mich persönlich, die richtige Entscheidung getroffen habe ,auf dem Weg zur Genesung. Irgendwann wird's sicherlich in einer Zweisamkeit enden. Ach ja, mich überkam mit gerade mal achtundvierzig Jahren diese Missgeschick. Es gäbe noch viel zu erzählen aber es sollte ja hier nur einmal geschildert werden, wie es geschah. 

Dem Schlaganfall-Betroffenen Leser will ich sagen: Hören Sie nie auf zu kämpfen, denn wer auch nur mit Gedanken spielt den Kampf aufzugeben, hat schon verloren. Werden Sie geduldig, es war schließlich kein Schnupfen, der mal so eben schnell geht, wie er kam. Lassen Sie keine Therapien aus und hadern Sie nicht mit sich selbst, höchstens mal hin und wieder, wenn's dann nicht so richtig weiter gehen will. Wenn Sie zu siebzig bis achtzig Prozent wieder hergestellt sind, dann machen Sie ganz einfach einhundertzwanzig Prozent daraus ! Ich sag das nicht nur so, ich hab's ja selbst erlebt und eigentlich immer versucht und immer noch, das durchzuziehen. Und noch einmal:  G e d u l d   und  O p t i m i s m u s  zur Wiederherstellung sind das W i c h t i g s t e , dann klappt's auch mit dem    L e b e n  !!!

Westernhagen singt : Steh auf ; Drafi Deutscher singt : Einmal über Grenzen geh'n;             Tu'n Sie's einfach !!

Dem nichtbetroffenen Leser will ich sagen: Informieren Sie sich über diese, man kann schon sagen, Zivilisationskrankheit und leben Sie ein bisserl danach.Hören Sie ab und zu in Ihren Körper hinein. Sollten Sie auch nur geringste Anzeichen erkennen, scheuen Sie sich nicht ,den Notarzt zu rufen. Für die Behandlung eines Schlaganfalls, spielt der Faktor  Z e i t   die wichtigste Rolle !

Infos erhalten Sie von allen Kontaktadressen in unserer Homepage. Als Betroffener schließen Sie sich uns doch an, denn wie heißt es doch so schön : An der Quelle saß der Knabe !




Hier ein Hinweis:

Die private Verwendung dieser Erzählung ist grundsätzlich gewollt und gestattet. Die kommerzielle Verwendung, ausschließlich nur mit Genehmigung der SHG-Gelderland. 

Hier nun die Aufzeichnungen unseres Autors Franz Crom. Wir möchten darauf hinweisen, dass es sich hier um die Vorveröffentlichung des Buches handelt, mit freundlicher Genehmigung des Autors, der das Copyright besitzt. Deshalb ist die kommerzielle Verwertung nur mit Genehmigung durch den Autor gestattet. Auf dieser Seite können Sie , lieber Besucher den ersten Teil lesen. Weiter geht´s dann auf der Seite " wir über uns 2 "

Hier lesen Sie einen Bericht von einer "Schlaganfallerin", der allen Mut Macht!
Danke
Man kann den auch vergrößern !



Geleitwort

 

Dem Autor dieser Informationsschrift sei herzlich gedankt für die Aufarbeitung seines Schlaganfall-Leidens vom plötzlichen Beginn im August 1996 bis heute. Herr Crom und seine Frau haben in erstaunlicher und beispielhafter Weise dargelegt, wie Betroffene ihre Krankheit sehen, erleben, verarbeiten und mit den Folgen weiter leben können.

Ungeahnte Kräfte wurden freigesetzt und zum Teil deprimierende Erfahrungen  in Aktivität umzusetzen.

Da ich als Regionalbeauftragter bis 2003 den Weg von Herrn Crom und seiner Frau mit ihren Aktivitäten in den Selbsthilfegruppen für Patienten mit Schlaganfall in Kleve und Geldern begleite, empfehle ich, diese sehr subjektiven Erfahrungen auch anderen – Kranken und Gesunden – mitzuteilen.

Wenn die Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe die Veröffentlichung der „Erfahrungen eines Menschen mit Schlaganfall“ unterstützen könnte, wäre dies sicherlich ganz im Sinne der Betroffenen.

Ich wünsche Herrn Crom und seiner Frau mit Ihrem Bericht guten Erfolg und Verbreitung.

                                                                                             

Dr. Jörg Empt

                                                                                              Ehem. Chef der Neurologen Abteilung

                                                                                                                             am Ev. Krankenhaus Wesel


V o r w o r tAllgemein ist die Volkskrankheit „Schlaganfall“ schon recht bekannt, doch nicht so sehr im Detail. Einen Schlaganfall darf man eigentlich nicht bekommen, wenn man auf dem Gebiet ein völlig unbedarfter Laie ist und nicht einmal ein gewisses Grundwissen hat. Diese völlige Unerfahrenheit schlägt sich in der Regel auf den Betroffenen nieder und verschlimmert die Krankheit nur noch, vor allem auf Dauer. Denn in der Regel fehlen sowohl den Betroffenen, aber vor allem auch deren Angehörigen bessere Kenntnisse über einen Schlaganfall mit eventuellen Spätfolgen. Leider nehmen viele Betroffene - aber auch Ärzte - erste Vorboten für einen drohenden Schlaganfall nicht ernst genug oder erkennen sie nicht, selbst einige Hausärzte müssten das eingestehen. Wer jedoch die warnenden Beschwerden und Anzeichen erkennt und entsprechend darauf reagiert, hat eine ungleiche Chance, einem Schlaganfall zu entgehen. Die Risiken, einen Schlaganfall zu ermitteln, lassen sich mit geringem Aufwand ermitteln und dann mit gezielten Maßnahmen reduzieren. In einem mit hochleistungsfähiger Computertechnik und medizinischen Untersuchungsgeräten fortschrittlichem Krankenhaus, dass es  aber fast nur in Großstadt- oder  Universitätskliniken gibt  und nicht auf dem Land, wie  auch am Niederrhein, kann man auch vorzeitig einen Risikotest durchführen lassen. Aber der Kreis Kleve am unteren Niederrhein hat auch kräftig aufgeholt und noch vor dem Jahrtausendwechsel in Bedburg-Hau nahe der Landeskliniken mit der Föhrenbachklinik eine eigene Neurologie als Stroke Unit erhalten. Damit sind die unteren Niederrheiner mit den Kliniken/Krankenhäusern in Wesel, Krefeld, Kempen, Kleve, Geldern und weiteren auch nicht mehr wie früher unterversorgt.

 

Gerade in den letzten Jahren hat die Medizin hinzugelernt, um Schlaganfälle zu vermeiden, besser zu erkennen und zu behandeln. Hinzu kommt, dass die Selbsthilfegruppen in Kleve und Geldern die professionellen Angebote unseres Gesundheitswesens  wirksam ergänzen und dazu beitragen, dass die Patienten ihre Krankheit durch gegenseitige Hilfe und Beratung besser bewältigen und sich aktiv mit ihrer Situation beschäftigen. Nach einem Schlaganfall können Probleme beim Sprechen, beim Sehen oder in der Koordination von Bewegungen auftreten. Deshalb ist es sehr ratsam, verloren gegangene Funktionen  wieder schnellstens einzuüben. Manche Dinge müssen oft wiederholt werden, bevor sie wieder  beherrschbar sind. Vor allem sollte das immer bei vollster Konzentration geschehen.

 

Spätestens drei Stunden nach den Erstsymptomen (z. B. plötzliche Gesichts-, Arm-, Beinlähmungen und Doppelsehen gehören Schlaganfallpatienten in eine spezialisierte Klinik. Jede Zeitverzögerung bedeutet, wie bei mir, meist eine größere bleibende Behinderung oder sogar den Tod. Da sich viele Mitmenschen als Betroffene oder deren Familienangehörige mit einem Schlaganfall und die eventuellen Folgen  selbst kaum auskennen und meist nicht damit  fertig werden und daher dem kaum entgegenwirken können,  möchte ich meine persönliche Geschichte der Erkrankung mit allem Für und Wider niederschreiben, die gravierende Veränderungen in meinem/unserem Leben mit der neuen Situation ohne fremde Hilfe schnell fertig werden.

Meine Frau und ich mussten der neuen Situation  schnell fertig werden. Heute weiß ich, dass der erste Weg zu der Deutschen Schlaganfall-Hilfe in Gütersloh oder einer Selbsthilfegruppe für Schlaganfallbetroffene und deren Angehörige in Wohnungsnähe ist. Zu erfahren diese Anschriften in der Regel bei den Kommunen oder Krankenkassen.

 

 In solch einer Gruppe sind  Menschen mit den gleichen Problemen, die mehr Verständnis aufbringen und in der Regel schon besser Bescheid wissen, was zu tun ist. Ich bezeichne diese Leute  gerne als Laien-Experten, die eher Rat und Hilfe geben und anbieten. Ich habe es geschafft. Trotz eines schweren Schlaganfalls, verbunden mit Lähmungen und den Verlust der Feinmotorik und somit der Eigenständigkeit, aber der Wiedererlangung der Sprache bin ich wieder einigermaßen zum normalen Leben zurückgekehrt. Ich habe mich bewusst nie aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen oder besser gesagt, vor meinen Mitmenschen versteckt. Das ist nämlich ein großer Fehler nach dem Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“: Ich habe ohnehin schon auf vieles aufgrund meines schlechten Gesundheitszustandes erleiden müssen. Viele haben scheinbar schon an meine „Rückkehr“ in heimische Gefilde nicht mehr geglaubt. Aber, weder ich noch meine Frau haben nie aufgehört zu kämpfen gegen die heimtückische Krankheit und gegen Zweifel sowie Machenschaften von einigen Mitmenschen und Institutionen.

 Wesentliche Abschnitte in dem Buch  werden allerdings von meiner Frau handeln, die meinen Schlaganfall behandelte, als habe sie ihn selbst erlitten, sie hat für mich gekämpft, gelitten und gearbeitet. Meiner Frau, die ich anfänglich liebevoll Schwester „Rabiata“ nannte, habe ich viel zu danken, wenn man so will, das zweite Leben, auch wenn es teilweise noch im Rollstuhl war. Sie gab mir nur Mut und hat mit  erforderlicher Härte (ohne die geht es nicht!), aber auch großer Herzlichkeit und Geduld mein zweites Leben mit aufgebaut. Ihr gebührt mehr als nur Dank und Anerkennung, deshalb habe ich ihr dieses Buch gewidmet. Das weitere Glück auf meiner Seite waren die Therapeutinnen Doris Bonnes und Wilma Strikkers-Haukes (die beste Holländerin in Kalkar), die gemeinsam in Kalkar eine ergotherapeutische und physiotherapeutische Gemeinschafts-Praxis betreibt und für mich die tollsten Therapieprogramme erarbeiteten und  vor allem erfolgreich anwendeten. Aber bei den Therapeutinnen war Fortbildung kein Fremdwort und das kam mir zugute. Dafür bin ich immer dankbar.


 Mehr Einfluss für Therapeuten

Im Übrigen ist es meine Ansicht und Erfahrung, dass Therapeuten grundsätzlich mehr Einfluss bei den Ärzten und Krankenkassen haben sollten, weil sie sich in diesen speziellen Angelegenheiten einerseits und die Stärken und Schwächen ihrer Patienten besser kennen. Dieses Buch soll aber auch jetzt noch allen Betroffenen und Angehörigen Mut machen und Hilfen bieten, um dieser arglistigen Krankheit Herr zu werden. Viele kurze Episoden sind mir allerdings auch erst durch Erzählen von Mitmenschen bekannt geworden und so zur Niederschrift gekommen.

Der Schlaganfall bedeutet eine gravierende Veränderung des ganzen Lebens für den Betroffenen und vor allem aber auch dessen Angehörige. Übrigens wird der „Schlaganfall“ heute teilweise noch oft als Stiefkind der Medizin und „Tabu“ angesehen, sogar noch bei einigen Hausärzten. Die nehmen auch selbst eine eigene Fortbildung nicht für wichtig und ernst. Auch so kann man die Hoffnung oder das positive Denken eines Menschen nehmen! Und das meist für ein Leben lang.

Weltweit ist der Schlaganfall nach der Herzerkrankung und dem Krebs  die dritthäufigste Volkskrankheit mit Todesfolge. Hinzu kommt in der Regel (je nach Stärke und Art des Schlaganfalls! ) eine lebenslange Pflegebedürftigkeit oder schwere psychische und körperliche Behinderung jetzt  noch allen Betroffenen und Angehörigen Mut machen und Hilfen bieten, um dieser arglistigen Krankheit besser Herr zu werden.


Es bedurfte schon einiger gedanklicher Anläufe in den letzten Jahren mit dem Niederschreiben dieses Büchleins, um richtig zu ordnen, was sich vor und nach dem 30. August 1996 in meinem Leben wirklich abgespielt hat. Vieles klingt so unglaublich, daß man fast schon selbst in manchen Dingen an der Wahrheit zweifelt. Aber es ist und war nun einmal alles so, dass ich mir sagte, dieses muß ich für die Nachwelt niederschreiben. Vorab: Einige meiner engsten Verwandten und Freunde, nämlich meine Mutter und zwei gute Freunde wie mein Freund und Karnevalist Peter Kröll und mein früherer Nachbar Franz Clanzett, die mir alle nur Hoffnung und Mut zusprachen, haben die Fertigstellung dieses Büchleins leider nicht mehr erlebt und wurden allesamt Opfer einer anderen schwerwiegenden Volkskrankheit. Ich werde künftig an alle nicht nur durch den Grabstein erinnert, dafür haben sie mir zuviel bedeutet. Aber eines kann man aber grundsätzlich zum Mitmenschen sagen „Sei nett zu deinen Füßen, denn sie tragen dich durch´s ganze Leben!“

 

Der Schlaganfall kam unverhofft

Mit an grenzender Sicherheit war ich im vor hinein einKandidat“  für einen Schlaganfall, da ich alle Untugenden hierfür vorweisen konnte: überhöhter Bluthochdruck, Stress, Raucher sowie Übergewicht. Und trotzdem erlitt ich den Schlaganfall zu einem Zeitpunkt, wo weder mein damaliger Hausarzt, ich noch meine Familie zu dem Zeitpunkt so ein Unheil auf uns zukommen sahen. Trotz allem hätte ein guter Hausarzt dieses nach einigen deutlichen Erstsymptomen  auf mich zukommen sehen müssen. Und somit begann mein Schicksal, was ich aber nie als endgültig betrachtet habe. Damit wollte ich mich einfach nicht abfinden. Ab jetzt heißt  meine Devise: „Stark sein und durchhalten!“ Es ist zwar leichter geschrieben als in die Tat umgesetzt, aber wenn man zur rechten Zeit daran erinnert wird, kommt eine innerliche Energie in einem auf und es wird weiter auf die Zähne gebissen.

 

Erstsymptome richtig erkennen

Wenn einen der Schlag trifft, zählt jede Minute: Jährlich erleiden etwa 200.000 Menschen einen Schlaganfall. Doch man kann vorbeugen. Wichtig ist jedoch, dass man erst einmal herausfindet, ob man gefährdet ist. Spätestens drei Stunden nach dem Erstsymptom (plötzliche Arm-, Handlähmung) gehörte ich ohne jede Zeitverzögerung in die Neurologie eines Krankenhauses wie z.B. im Ev. Krankenhaus Wesel. Jede Zeitverzögerung, wie bei mir, bedeutet größer, bleibende Schäden bzw. ein Schicksalsschlag nennt  man das wohl auch, wenn man nichts Fundiertes sagen kann!


Mein Pech – Vorzeichen zu spät erkannt

Daß die Vorzeichen nicht ernst genug genommen ist schon schlimm, ich konnte schon Wochen vordem die rechte Hand nicht bewegen, daß aber meiner Frau noch zugemutet wurde,  mit mir ins Krankenhaus zu fahren, betrachte ich heute schon als Frechheit. Aber man ist in solchen Momenten fremden Händen (Laien) ausgeliefert und ist zudem auch nicht fähig, sich in diesem Moment selbst zu wehren.

Aber meine Frau hat sich Gott-sei-dank ab diesen Zeitpunkt nichts mehr gefallen und über uns ergehen lassen. Trotz allem vertrete ich die Ansicht, dass die Behinderung für mich Faktum, aber kein Problem ist.

 

Hausarzt Notruf 112 nicht gerufen war ein Fehler

Alles „hätte und wäre“ hilft mir zwar auch nichts mehr, aber eine erste  richtige ärztliche Versorgung im Notarztwagen wäre für mich sicherlich von großem Vorteil gewesen. Jeder durchschnittlich gute Arzt weiß, daß ein Schlaganfall einem Notfall gleichkommt und von daher ein Notarztwagen gerufen werden muß. Es ist sogar gut möglich, daß ich erst gar nicht im Rollstuhl „gelandet“ wäre und die ganzen Anstrengungen und der Ärger wären meiner Frau und mir erspart geblieben.

 

Jeder Augenblick zählt für Spätfolgen

Heute darf sich kein Schlaganfallbetroffener mehr durch ärztliche Fehleinschätzung für den Rest seines Lebens schwerbehindert  im Rollstuhl fortbewegen müssen. Dies sollte es in unserer hochtechnisierten Gesellschaft nicht mehr geben. Man sollte von jedem selbständigen Hausarzt soviel Fachkenntnis abverlangen können, daß in seinen Händen eine Falscheinschätzung fast unmöglich ist. Ansonsten gehört seine Approbation abgenommen und somit die Arztpraxis geschlossen. Auch wenn er sich gegen solches Unheil versichern würde, sind böse Folgen mit Behinderungen durch Geld nicht aufzuwiegen.

 

Über neun Wochen im Krankenhaus

Anfänglich habe ich noch garnichts vollends und bewußt wahrgenommen und das mit mir geschehen lassen, was die Umwelt mit mir vorhatte. Ich wußte auf jeden Fall, dass meine Frau in meiner Nähe ist und sein würde und nichts zuließ, was für mich schädlich wäre. Der erste Gedanke nach dem Bewußtsein meiner Lähmung war, was passiert mit meinem Körper? Jetzt wird es mit dem normalen Leben wohl zu Ende sein und warum trifft es gerade mich. Langsam merkte ich, daß ich Gefangener im eigenen Körper geworden bin, weil ich keinen Besucher auf den Weg zum Krankenhausflur  mehr begleiten konnte. Nie mehr laufen und auf andere zugehen können, und das für endgültig? Es ist wie eine lebenslange Bestrafung, und unglaubliche Vorstellung! Vor allem will ich das noch nicht wahrhaben und habe mich innerlich noch nicht damit abgefunden, und  wollte es auch nicht!

 

 

Als meine Frau und unsere Freundin Gertrud Paeßens mich zum Krankenhaus fuhren, ahnte ich ja noch nicht, daß ich irgendwann als Rollstuhlfahrer nach Hause zurückkehre. Ich merke meiner Frau an, daß ich trotz großer Anstrengung sehr undeutlich spreche und mich in den Bewegungen schon sehr schwer tue. Mir ist alles egal und lasse an mich arbeiten. Am ersten Tag suche ich förmlich das Gespräch, obwohl mir das Sprechen sehr schwer fällt. Meine Frau bleibt zu meiner Zufriedenheit bis zum Ende der Besuchszeit im Krankenhaus und versorgt mich mit dem Notwendigsten. Da ich schon keine Brote mehr selbst schmieren konnte, wurde mir die Arbeit von ihr abgenommen. Zudem hatte ich enorme Schluckbeschwerden. Es geht alles  ganz gemächlich im Zeitlupentempo. Die erste Nacht habe ich kaum ein Auge zugemacht.

Meine Gedanken kreisten nur über das Geschehene. Insgeheim zählte ich x-beliebige Zahlen zusammen, um  mich selbst zu testen, ob ich noch alle Gedanken beisammen habe. Es war schon eine Riesenerleichterung, als ich das als gegeben feststellte. Vor allem war mir Stationsarzt Dr. Leo Hellmann eine große Hilfe sowohl in menschlicher als auch in medizinischer Hinsicht. Er setzt sich bei mir täglich am Bett und sprach mir Mut zu und spornte mich zu neuen Aktivitäten an, wie Rollstuhlfahren üben etc. Heute weiß ich, daß er zu diesem Zeitpunkt auch schon mehr über meine düsteren Zukunftsaussichten wußte, es aber uns aber nicht erzählte.

 

Gute Schwestern um sich zu haben, ist  Glücksache

Am Anfang war es nicht so gut, doch nach der Verlegung auf die Station von Oberarzt Dr. Leo Hellmann mit seiner Stationsschwester Brigitte und ihren Kolleginnen Leni heute pensionierte Ergotherapeutin), Eva, Marga Völkel, Martina sowie Pfleger Dieter Bergmann (heute in Weeze tätig und ein Bruder von Marlies Kanders) ging es mit mir schon etwas besser, vor allem erholte ich mich von dem Schlaganfall zusehends schneller. Langsam aber sicher kam ich wieder zu meinem „alten“ Normalgewicht, zumal ich das Rauchen schon gänzlich aufgegeben hatte und auch kein Verlangen mehr danach spürte. Zudem hatte ich in der Hinterhand immer noch meine Frau und das ist beruhigend, weil sie für mich nicht nur mutig sondern auch souverän ist. Meine Frau bewies jetzt, daß sie mir auch in schlechter Zeit beisteht, wie am Hochzeitstag versprochen. Und das ist noch lange nicht für alle Ehefrauen selbstverständlich, wie ich mehrfach in der Reha erlebte.

 

 

Von Geldern nach Bad Godesberg

Nach 9 1/2 Wochen Aufenthalt im Krankenhaus wurde ich per Krankenwagen in die Rehabilitationsklinik „Godeshöhe“ nach Bonn- Bad Godesberg gebracht, um noch mobiler zu werden. Der Abschied fiel nicht leicht, doch war ich gespannt, was mich ab nun erwartete. Inzwischen habe ich die Leidenschaft „Rauchen“ drangegeben und war sichtlich enttäuscht, dass mein erster Blick zur Reha-Klinik „Godeshöhe“ drei rauchende Rollstuhlfahrer an einem großen Sandascher vor dem Eingangsbereich ist. Ich war innerlich froh, daß ich das Rauchen von Glimmstengeln aufgegeben hatte. Zum ersten Mal widerten mich Raucher insgeheim an. Nach der Einweisung und sehr genauen Untersuchungen, wie EKG, EEG etc. durch die Oberärztin Frau Dr. Ute Güldenberg war ich gespannt, was mich erwartete. Man brauchte schon eine Woche, um das Haus und die Abteilungen richtig kennenzulernen, und das reicht noch nicht. Nach einigen Tagen des Einlebens auf der Station B 2 ging es dann richtig zur Sache mit den Therapien.

 

Die Schwestern Katharina Schaaf, Frau Groh, Michaela, Fatma, die beiden Maria´s  aus Ungarn und Rußland, Frau Makowic sowie die Pfleger Andreas und Sico waren allesamt Spitzenkräfte in ihrem Job.

Morgens nach dem Frühstück; wenn therapeutische Behandlungen angesagt waren, verabschiedete ich mich in der Regel von der Station mit den Worten „Ich bin auf Tournee!“ Die wichtigsten Personen für mich sind der Physiotherapeut Matthias von Heesen (ein Cousin des Ex-HSV-Fußballprofi und Fußballcoach Thomas von Heesen (Arm. Bielefeld, Hannover 96, FC Saarbrücken); die Ergotherapeutinnen Frau Bloch und Frau Langenberg sowie die Ordensschwester Edeltrude.

Der Schwester und diesen Therapeuten merkte man als Laie schon einen gewissen Erfahrungsschatz an. Der heutige pysiotherapeutische Abteilungsleiter Matthias von Heesen prophezeite mir schon ziemlich am Anfang: Eines Tages wirst Du wieder Fußgänger sein, Es ist allerdings Durchhalten und viel Üben angesagt, nie aufgeben, auch wenn es noch so aussichtslos erscheint! Interessant war noch, daß mein erster Zimmermitbewohner Günter Hilpertz auch aus Kapellen kam, allerdings aus Moers-Kapellen. Dieser Ort liegt etwa 20-25 km von meinem entfernt. Wir machten uns natürlich einen Spaß daraus, Schwestern und andere Neugierige mit dem Ortsteil Kapellen in die Irre zu führen. Günter Hilpertz, der fast 20 Jahre älter ist als ich, konnte anfänglich schon etwas laufen. Als ich noch vom Gehen träumte, lief er schon selbständig zur Toilette und durch das Zimmer. Da kam natürlich bei mir Neid auf, aber auch noch mehr Ehrgeiz. Mein späterer Zimmermitbewohner, Holger Waters war da schon viel schlimmer dran als ich. Der junge Mann hatte lange im Koma gelegen und war zu dem Zeitpunkt ein Schwerstpflegefall.

 

Ich bewunderte seine Lebensgefährtin Anne Habers, die sich auch aufopferungsvoll  trotz des gemeinsamen kleinen Kindes Lisa  sehr um ihn kümmerte. Aber auch er war eine Kämpfernatur und gab nicht so schnell auf. Wir spornten uns gegenseitig an und waren über jeden kleinsten Erfolg hocherfreut. Zudem forderte uns auch meine frühere Bundeshaus-Kollegin Klara Sperl stets auf, die mich regelmäßig besuchte, mutiger zu werden. Sie traute mir mehr zu. Das ist zwar leichter ausgesprochen als getan, aber es gab immer einen kleinen Schub nach vorne. Man freute sich ja über den kleinsten Fortschritt. Aber langsam ging es von Tag zu Tag besser! Das gab neuen Mut. Daß ich mich allerdings wegen des Abnehmens auf 900 Kalorien setzen ließ, erwies sich später als falsch, obwohl ich einige Kilo gelassen hatte, da ich Hunger litt. Ich nahm ohnehin jeden Tag ab: die Brille und die Uhr! Also ließ ich mich auf 1300 Kalorien setzen, das reichte auch noch zu weiterem Abspecken.


Als Rollstuhlfahrer wieder zu Hause

Natürlich hatte meine Frau mich nach den drei Monaten früh am Morgen  abgeholt, damit meine Neugier, wie es jetzt wohl Zuhause ist, nicht weiter auf die Folter gespannt wurde. Einige meiner Kinder bereiteten mir mit den Enkelkindern einen herzlichen Empfang. Ich fühlte mich gleich wieder am rechten Fleck. Es wurde ein Festessen durch meine Tochter Monika zubereitet und das Gebot der 1000 Kalorien war für diesen Moment über Bord geworfen. Natürlich kamen auch die engsten Nachbarn zur Begrüßung. Mein Nachbar Franz Clanzett hat mir eine stabile und tolle Holzrampe für die Stufe vor meiner Haustüre gebaut. Die Zimmertüren waren durch Sohn Thorsten verbreitert, damit ich mit meinem Rollstuhl überall einigermaßen elegant durchkam.

 

Ich musste die Kurven zwar enger nehmen, denn ich war im eigenen Heim und nicht mehr in der riesigen Rehaklinik mit den langen Fluren und riesigen Räumen. Meinen ersten Blick richtete ich in den Duschraum, dort hatte unser Sohn Thorsten als Fachmann ganze Arbeit geleistet. Dieser galt oft Musterraum für andere Behinderte.

 

 

Gute Rehabilitations-Chancen

Die Wiedereingliederung  des Erkrankten in seinen bisherigen Alltag (Rehabilitation) ist ein extrem wichtiger, aber auch sehr mühsamer und schwerer Weg der Schlaganfallbehandlung. Intensive krankengymnastische Übungen, die die Lähmungsfolgen mildern und kompensieren sollen, sowie eine Sprachtherapie beim Logopäden sind unverzichtbar und entscheidend  für den weiteren Krankheitsverlauf. Der Patient/in muss darüber hinaus lernen, sich unter geschulter Anleitung in seinem Alltag mit all den täglichen Verrichtungen wieder zurechtzufinden und auch seine Möglichkeiten der eigenen Versorgung oder Tätigkeiten auszuschöpfen. Pflege- und Betreuungsmaßnahmen sowie seine soziale Absicherung sind weitere Faktoren, die einer umfangreichen Hilfe bedürfen.

 

 

 Frührehabilitation unverzichtbar

Eine Frührehabilitation ist heute unverzichtbar. Ich habe es mehrmals feststellen müssen, dass Mitbetroffene mit einer Frührehabilitation eine bessere Voraussetzung war, in seinen bisherigen Alltag zurückzukehren. Als ich in Bonn-Bad Godesberg bin, ist der Neubau einer Früh-Reha im Plan.


Ohne Pflegehilfe geht es nicht

Da ich noch sehr instabil bin, erhielt ich vom Medizinischen Dienst (MD) mir die Pflegestufe 3. Der Pflegedienst Timm aus Sonsbeck wurde damit beauftragt, meiner Frau behilflich zu sein. Auch da stellte ich schnell fest, daß hier nur berufserfahrene, qualifizierte Leute  beschäftigt sind. Meine morgendliche Stammschwester war Gaby Hackstein. Ihre Freundlichkeit und ausstrahlende Sympathie war morgens das erste nach meiner Frau, was ich  zu Gesicht bekam. Nicht minder aufmunternd und professionell waren aber auch die Schwestern Sabine, Vera, Claudia und  Vicky. Auch sie hatten stets gute Tips, die ich täglich anwenden konnte. Sofort war zu Hause auch Physio-  und Ergotherapie angesagt. Die Niederländerin Antje Koedam von der Kapellener Praxis Barbara Fischer setzte ihre Arbeit an mir da fort, wo man in Godesberg aufgehört hatte. Das konnte man von der Ergotherapeutin Claudia Rasch aus Geldern nicht gerade behaupten. Meine Enkelin Astrid war immer sauer, wenn ich mit  Frau Rasch Mühle spielen mußte und verlor. Astrid war der Ansicht, ich könne den linken Arm nicht bewegen und dann ist es unfair, mich nicht gewinnen zu lassen. Sie beschwerte sich stets lautstark bei Oma mit den Worten: „Die zockt den Opa schon wieder ab!“

 

Kurioses am Rande notiert

In Goch gingen meine Frau und ich eines Tages shoppen und landeten in einem Schuhgeschäft. Ich sah mir mit Interesse in einem Regal im Geschäft im Rollstuhl sitzend einige Schuhe an. Plötzlich hörte ich hinter mir eine freundliche Stimme, die mich freundlich fragte, ob sie mir helfen könne. Ich verneinte mit den Worten „Normal nicht, ich will mir keine Schuhe kaufen!“ Die Verkäuferin ließ nicht locker, doch ich meinte kurz und trocken: „Haben Sie schon mal einen Blinden mit Brille gesehen?“ Als ich mich für mein ungebührliches Verhalten entschuldigen wollte, meinte sie nur lapidar: „Das brauchen Sie nicht, so eine nette spontane Antwort auf mein Hilfsangebot habe ich noch nie bekommen!“

Nach meiner ersten Entlassung aus der Reha aus Bad Godesberg fuhr ich zunächst mit meinem Rollstuhl durch den Ort. Unterwegs traf ich viele Bewohner, die sich nach meinem Befinden erkundigten. Unter anderem auch unser Bäckermeister, der sofort erkannte, dass ich nur eine Fußstütze am Rollstuhl hatte und nach der zweiten fragte. Ich entgegnete ihm, die zweite hat die Krankenkasse nicht bezahlt!

Im Sommer 2003 begegnete ich im Wartezimmer der Therpiepraxis einem Ehepaar. Auch bei denen saß der Mann im Rollstuhl. Ich fragte ihn, ob er auch einen Schlaganfall erlitten habe. Dieser bejahte und stellte mir sein Frau als „Schwester Robusta“ vor. Ich schaltete sofort, rief meine Frau und sagte verschmisst: Darf ich vorstellen „Schwester Rabiata“. Allgemeines Gelächter!

 

In der Markusklinik Bad Driburg erhielt ich jeden Abend eine Spritze gegen  Thrombose. Nach einigen Tagen erklärte mir Stationsschwester Lydia, dass sie am liebsten Rollstuhlfahrer spritzen würde, da sie nicht weglaufen werden  können.


SHG Kreis  Kleve und Gelderland

SHG: Das Kürzel bedeutet Selbsthilfegruppe. Die ist für Schlaganfallbetroffene aber auch Betroffene eine ganz wichtige Institution.  Die Teilnehmer der beiden Selbsthilfegruppen haben es als hilfreich empfunden, eigene Erfahrungen und Erlebnisse mit den in gleicher Weise betroffenen Menschen auszutauschen. Der ungezwungene Ton in der Gesprächsrunde ist besonders geschätzt. Geplant werden gelegentlich auch Fachleute einzuladen und einzelnen Mitgliedern in ihren spezifischen Problemen mit Rat, vielleicht auch mit Tat zu helfen, soweit das in ihrer Macht ist und es auch können. Die SHG Kreis Kleve mit monatlichem Treff in der AOK Kleve hat Hürden von Schwierigkeiten leichter überwinden lassen. Da meine Frau und ich uns spontan einsetzten, wurde ich schnell mit zu einem der Sprecher gewählt.  Die weitere Sprecherin Doris Bonnes  ist als Ergotherapeutin vom Fach, das der Gruppe zugute kam. Sie hielt vor allem den Kontakt zu den Institutionen, die gebraucht wurden Da es im Südkreis eine derartige Gruppe nicht gab nicht gab, gründeten der Gelderner Arzt und ich kurzerhand eine weiter SHG, die ebenfalls positiv angenommen und mit der Zeit zu einem festen Bestandteil wurde. Wenn uns am Anfang noch an Lobby fehlte, so wurde dieser Mangel mit dem Bekanntheitsgrad und erfolgreichem Wirken bald wettgemacht.

 

Frau in Kur – ich in Pflege

Der Medizinische Dienst (MD) hatte beim Besuch zu meiner Einstufung schnell erkannt, daß die pflegerische Arbeit meiner Frau mit dem Haus und Haushalt ohne jegliche Hilfe zuviel ist und empfahl ihr, eine mehrwöchige Kur anzutreten. Diese wurde schnell bewilligt für drei Wochen in Bad Sassendorf. Im Grunde habe ich nichts dagegen einzuwenden, aber was passiert mit mir. In einem Kurzpflegeheim wollte ich nicht, zudem war das auch viel zu kostspielig. Unsere Tochter Monika mit ihrem Mann Stephan Gormanns erklärten sich spontan auch zur Freude der Enkel Kevin und Philipp bereit, mich zu ihnen nach Uedem zu holen und zu versorgen.

 

Zu dieser Maßnahme erklärte ich mich bereit und es wurden für mich drei abwechslungsreiche Wochen, die ich nicht bereute. Meine Frau fühlte sich in Bad Sassendorf ebenfalls wohl da sie wußte, da ich gut untergebracht  und versorgt bin. Dort bekam ich natürlich auch andere Therapeuten. und lernte so die Gemeinschaftspraxis Doris Bonnes & Wilma Strikkers-Haukes; Kalkar und ihre Anwendungen kennen. Die Unterschiede sind kaum zu beschreiben. Ich fühle mich nach den neuen Therapien viel entspannter und sicherer im Umgang mit meiner Umgebung. Als ich das meiner Frau am Telefon erzählte, war für sie klar, daß wir demnächst dort zur Praxis nach Kalkar fahren, zudem diese auch ebenerdig ist. Lediglich zum Duschen fuhr meine Tochter mich nach Hause, wo meine Pflegerin Gaby Hackstein vom Pflegedienst Timm mich in Empfang nahm. Es ist alles vorzüglich gelaufen. Die beiden Enkelsöhne verwöhnten mich, wann und wo sie konnten. Nachmittags spielte ich bei den Hausaufgaben „Lehrer“. ....Weiter auf Seite " Wir über uns 2 "

.......und nun eine Bitte:

Außer den geringen, jährlichen, gesetzlichen Geldbeträgen der Krankenkassen und einer unregelmäßigen Zuwendung der Stiftung Deutsche-Schlaganfall-Hilfe,   finanziert sich die SHG selbst. Deshalb freuen wir uns über jede noch so kleine Spende, die wir ausschließlich für gemeinnützige Zwecke verwenden. Selbstverständlich erhalten Sie auf Wunsch, eine Spendenquittung. Herzlichen Dank im Voraus. Hier, unsere Kontonummer: